Publikation: Inklusion oder Selektion?

Göttinger Universitätsverlag

Ragna Ruhaas
Inklusion oder Selektion? Das Bild vom Down-Syndrom vor dem Hintergrund der Geschichte der Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik

Eine qualitativ-empirische Analyse bundesrepublikanischer Printmedien

Das Down-Syndrom steht wie kaum eine andere vorgeburtlich feststellbare genetische Veränderung im Fokus der Pränataldiagnostik (PND). In der aktuellen gesellschaftlichen Debatte über den non-invasiven pränatalen Test (NIPT) wird die Möglichkeit vorgeburtlicher Selektion kontrovers diskutiert. Dies geschieht insbesondere vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Wandels hin zu mehr Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Die fortschreitende Ausweitung der PND wirft nicht zuletzt die Frage auf, ob durch die Praxis der pränatalen Medizin ein defizitorientiertes Bild von Behinderung transportiert wird. Die vorliegende Dissertation nähert sich diesem medizinethisch-gesellschaftlichen Thema aus historischer Perspektive. Ausgangspunkt ist die Frage, ob und wie sich das Bild vom Down-Syndrom seit der Einführung der vorgeburtlichen Diagnostik Mitte der 1970er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland verändert hat. Als empirische Grundlage wird die Darstellung des Down-Syndroms in ausgewählten bundesdeutschen Printmedien mittels qualitativer Inhaltsanalyse untersucht. Als zeitlicher Rahmen dienen die Einführungsjahre neuer technischer Verfahren, wie der Amniozentese (1970er Jahre), des Triple-Tests (1990er Jahre) sowie des NIPT und der Präimplantationsdiagnostik (2010er Jahre). Die Ergebnisse zeigen, wie sich Vorstellungen und Ansichten vom Down-Syndrom im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Wertewandel und medizinischem Fortschritt entwickelt haben. Ausgehend davon werden Annahmen der medizinethischen Debatte über mögliche Auswirkungen der vorgeburtlichen Diagnostik auf Menschen mit Down-Syndrom empirisch eingeordnet und kritisch reflektiert. Die vorliegende Studie leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis historischer Kontinuitäten einer hochaktuellen gesellschaftlichen Problematik.

2026, 154 S., Softcover: € 35,00 (D)
ISBN (Softcover): 978-3-86395-712-4
DOI: http://dx.doi.org/10.17875/gup2026-3183