Workshop: „Wenn Patient*innen zu Lehrenden werden“

19.11.2026-20.11.2026 Heidelberg

Workshop der AG ethik learning
„Wenn Patient*innen zu Lehrenden werden: Potenziale von patientengeleiteter Lehre für die Ethik im Gesundheitswesen“

Zeit: 19.11.2026-20.11.2027
Ort:
Heidelberg

Hintergrund
Die aktive Beteiligung von Patient*innen an der Aus-, Weiter- und Fortbildung der Gesundheitsberufe hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich an Bedeutung gewonnen. Menschen mit Krankheitserfahrung dienen nicht mehr nur als in die Lehre eingebundene Anschauungsobjekte oder als Grundlage für Fallgeschichten, sondern werden zunehmend als aktive Lehrende eingesetzt. In der Literatur beschrieben wird ein didaktisches Kontinuum von der reinen Fallschilderung bis hin zur partnerschaftlichen Mitgestaltung von Curricula. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass das Lernen mit und von Patient*innen Empathie, Kommunikationskompetenz und die Entwicklung einer patientenzentrierten professionellen Identität fördert – Kompetenzen, die für die Ausbildung in den Gesundheitsberufen zentral sind (Bennett-Weston et al. 2025a, S.466; 2025b, S. 199; Dijk et al. 2020, 5 ff.)Gerade die Ethik in den Gesundheitsberufen erscheint als besonders anschlussfähiges Feld: Themen wie Autonomie, Shared Decision-Making, Vulnerabilität, die patientenzentrierte Gestaltung klinischer Entscheidungsfindung, professionelle Haltung oder auch epistemische Ungerechtigkeit sind verbunden mit der gelebten Erfahrung, die Patient*innen einbringen. Während patientengeleitete Lehre insbesondere im Medizinstudium zunehmend aufgegriffen wird, gibt es für die Ethik in der Medizin und den Gesundheitsberufen bislang keine entsprechende Literatur und publizierten Erfahrungsberichte zu patientengeleiteten Lehrformaten. Der geplante Workshop greift diese Lücke auf und widmet sich der Frage, welche Potenziale patientengeleitete Lehr-Lern-Formate für die Ethikbildung der Gesundheitsberufe entfalten können.

Ziele
Ziel des Workshops ist es, die Potenziale patientengeleiteter Lehre für die Ethik der Gesundheitsberufe systematisch zu erarbeiten. Im Einzelnen sollen die Teilnehmenden  gemeinsam herausarbeiten, welche kompetenzorientierten Lernziele sich durch patientengeleitete Lehre in der Ethiklehre erreichen lassen, welche Formen der Partizipation denkbar sind und in welchen didaktischen Kontexten solche Formate sinnvoll und erfolgreich eingesetzt werden können. Zudem werden Gelingensbedingungen für eine partizipativ gestaltete Lehre im Bereich der Ethik der Gesundheitsberufe kritisch reflektiert.Der Workshop ist zweitägig angelegt. Am ersten Tag stehen Beiträge von Patientenvertreter*innen sowie Einblicke in bereits etablierte patientengeleitete Formate in den Gesundheitsberufen im Fokus. Der zweite Tag dient der Übertragung des Lehransatzes auf den Bereich der Ethik der Gesundheitsberufe. In parallelen Arbeitsgruppen entwickeln die Teilnehmenden gemeinsam mit Patientenvertreter*innen im Rahmen eines design-thinking-orientierten Vorgehens konkrete Prototypen möglicher Lehr-Lern-Formate, die anschließend gruppenübergreifend diskutiert werden. Als Ergebnis entsteht eine erste Sammlung umsetzbarer Formatideen, die die bestehende Lücke in der partizipativ gestalteten Ethiklehre adressiert. Zugleich wird eine erste konkrete Erprobung eines der Formate (in einem curricularen Kontext oder im Rahmen einer Konferenz) mit anschließender Evaluation als Grundlage für weiterführende Forschung geplant.

Zielgruppe
Lehrende im Bereich der Ethik der Gesundheitsberufe und Patient*innen-Vertreter*innen(max. 25 Personen)

Programm, 19.11.2026-20.11.2026
Tag 1 (Donnerstag)
13:00–13:30 Uhr: Begrüßung und Einführung in die Thematik
13:30–14:15 Uhr: Benjamin Drechsler (EX-IN/Genesungsbegleiter): „Vom Patienten zum Peer und Partner. Polyvalente Perspektivwechsel in der Psychiatrie“
14:15–14:45 Uhr: Susanne Klaiber, Sklerodermie Selbsthilfe e. V. (Heilbronn): „Von einer Krankheit lernen“
14:45–15:15 Uhr: Pause
15:15–16:00 Uhr: Hannah Kaspar, Rheuma Liga Baden-Württemberg: „Wissen, das in keinem Lehrbuch steht. Patient-Partners der Deutschen Rheuma-Liga“
16:00–16:45 Uhr: Christoph Karlheim (Bielefeld): „Partizipative Forschung und Partizipative Lehre im Vergleich“
16:45–17:15 Uhr: Pause
17:15–18:45 Uhr: Öffentliche Keynote Amber Bennett-Weston (Leicester): „Patients as educators: From involvement to partnership in health professions education?“ (Online)
20:00 Uhr: Gemeinsames Abendessen

Tag 2 (Freitag)09:00–09:30 Uhr: Jasmin Barman (Zürich): „Forschungsethische Reflexion Placebo-kontrollierter Studien bei seltenen Krankheiten am Beispiel Lichtkrankheit – die Perspektive der Patient*innen“
09:30–09:45 Uhr: Einführung in das Vorgehen und Bildung von 3–4 thematischen Arbeitsgruppen
09:45–10:30 Uhr: Phase 1: Verstehen & Fokussieren (Understand/Define): Entwicklung Lernziele
10:30–11:00 Uhr: Pause
11:00–12:00 Uhr: Phase 2 & 3: Ideenentwicklung & Prototyping (Ideate/Prototype): Auswahl einer Idee und Ausarbeitung eines Prototyps entlang vorgegebener Struktur
12:00–12:15 Uhr: Übergang/Vorbereitung des Gallery-Walk inkl. kurzer Pause
12:15–13:15 Uhr: Phase 4: Vorstellung & gruppenübergreifendes Feedback (Share/Reflect)
13:15–13:30 Uhr: Ende der Veranstaltung und Verabschiedung

Anmeldung
Anmeldung bis zum 31.10.2026 per E-Mail an Nadia Primc: Primc@uni-heidelberg.de mit dem Betreff “Anmeldung Workshop patientengeleitete Lehre”Die Teilnahmezahl ist auf 25 Personen begrenzt. Die Platzvergabe erfolgt nach der Reihe der Anmeldungen.

Literatur

Bennett-Weston A, Gay S, Anderson ES. A theoretical systematic review of patient involvement in health and social care education. Advances in Health Sciences Education (2023) 28:279–304 https://doi.org/10.1007/s10459-022-10137-3

Bennett-Weston A, Gay S, Anderson ES. Reflecting on the Spectrum of Involvement:How do we involve patients as partners in education? Med Educ. 2025a;59(2):198‐209. doi:10.1111/medu.15484Bennett-Weston A, Gay S, Anderson ES. Meaningful Patient Participation in Health Care Education: A Theoretically Informed Study Exploring Boundaries and Identities. Acad Med. 2025b, 100(4):466-474. doi: 10.1097/ACM.0000000000005919. Epub 2024 Nov 15. PMID: 39761535.Dijk SW, Duijzer EJ, Wienold M. Role of active patient involvement in undergraduate medicaleducation: a systematic review. BMJ Open 2020;10:e037217. doi:10.1136/bmjopen-2020-037217Eijkelboom C, Brouwers M, Frenkel J, van Gurp P, Jaarsma D, de Jonge R, Koksma J, Mulder D, Schaafsma E, Sehlbach C, Warmenhoven F, Willemen A, de la Croix A. Twelve tips for patient involvement in health professions education. Patient Educ Couns. 2023 Jan;106:92-97. doi: 10.1016/j.pec.2022.09.016. Epub 2022 Oct 1. PMID: 36266155.